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<title>„Ich würde es wieder tun“: Gefeuerter BGG-Werbeleiter veröffentlicht offenen Brief brettspiel-news.de</title>
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<article>
<h1>„Ich würde es wieder tun“: Gefeuerter BGG-Werbeleiter veröffentlicht offenen Brief an Falling Whale Games</h1>
<p class="meta">
<strong>Von der brettspiel-news.de-Redaktion</strong> &mdash; 23. Mai 2026<br>
<em>Exklusiv: Das nächste Kapitel der „Possess Me, Satan“-Affäre &mdash; nach 19 Jahren bei BoardGameGeek meldet sich der entlassene Anzeigenleiter mit einer Botschaft, die die Community erneut spaltet.</em>
</p>
<p>
Es ist ein Bild, das man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen muss: Ein Angestellter verliert nach 19 Jahren seinen Job bei der weltweit größten Brettspiel-Plattform <strong>BoardGameGeek</strong> (BGG), weil er eine Werbeanzeige aus religiösen Gründen ablehnt &mdash; und veröffentlicht nun einen offenen Brief, in dem er seinem früheren Arbeitgeber nicht etwa Verbitterung entgegenschleudert, sondern der Welt mitteilt: <strong>„Ich würde es alles wieder tun.“</strong> Kein Bedauern. Kein Zurückrudern. Stattdessen: eine Predigt.
</p>
<p>
Was vor zwei Wochen als skurrile Anekdote begann, hat sich zu einer der kontroversesten Debatten entwickelt, die die Brettspiel-Community in jüngerer Zeit erlebt hat. Und sie ist noch lange nicht vorbei.
</p>
<div class="context-box">
<h3>⚡ Was bisher geschah</h3>
<p>
Der kleine US-Verlag <strong>Falling Whale Games</strong> wollte für sein satirisches Partyspiel <strong>„Possess Me, Satan“</strong> (frei übersetzt: „Besitz mich, Satan“) eine Werbeanzeige auf BoardGameGeek schalten. Das Spiel dreht sich um Besessenheit, Dämonen und schwarzen Humor &mdash; thematisch irgendwo zwischen „Cards Against Humanity“ und einer Horrorkomödie.
</p>
<p>
Die Antwort von BGGs Anzeigenabteilung ließ den Verlag fassungslos zurück: Die Anzeige wurde abgelehnt &mdash; mit der Begründung, das Spielthema verstoße gegen die <strong>„religiösen Überzeugungen“</strong> des zuständigen Mitarbeiters. Konkret war von Befürchtungen die Rede, das Spiel könne zu <strong>„dämonischer Unterdrückung“</strong> (im Original: „demonic oppression“) führen.
</p>
<p>
Falling Whale Games postete den Austausch auf Reddit &mdash; und die Plattform explodierte. Der Beitrag im Subreddit <a href="https://www.reddit.com/r/boardgames/comments/1ti33vd/tried_advertising_on_boardgamegeek_and_got_this/" target="_blank">r/boardgames</a> sammelte <strong>6.392 Hochwählis (Upvotes)</strong> und <strong>1.889 Kommentare</strong>. Auch das Atheismus-Forum <a href="https://www.reddit.com/r/atheism/comments/1tilvg6/a_board_game_forum_rejected_ads_for_possess_me/" target="_blank">r/atheism</a> griff die Geschichte auf (909 Hochwählis, 61 Kommentare). Der Shitstorm war gewaltig.
</p>
<p>
BGG reagierte schnell: Der verantwortliche Anzeigenleiter &mdash; ein gewisser <strong>„Chad“</strong>, Vorname geändert &mdash; wurde entlassen. Die Community solidarisierte sich mit Falling Whale Games, und als ironische Wendung katapultierte der Skandal <strong>„Possess Me, Satan“</strong> direkt auf die <strong>BGG-Hotness-Liste</strong> &mdash; jene begehrte Rangliste der aktuell meistdiskutierten Spiele. Der Verlag hatte seinen Werbeplatz auf unerwartete Weise doch noch bekommen, nur eben gratis und durch einen PR-Sturm, den kein Marketingbudget je hätte kaufen können. (<a href="https://www.reddit.com/r/boardgames/comments/1tiulyw/result_of_the_bgg_ad_fiasco/" target="_blank">Zum Happy-End-Beitrag auf Reddit</a>)
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</div>
<h2>Der offene Brief: Kein Rückzieher, sondern eine Kanzel</h2>
<p>
Eine gute Woche lang blieb es still um den gefeuerten Werbeleiter. Dann, am 16. Mai 2026, tauchte auf Reddit ein Beitrag mit dem Titel <strong>„Ein offener Brief an Falling Whale Games &mdash; von dem gefeuerten BGG-Werbeleiter“</strong> auf (<a href="https://www.reddit.com/r/boardgames/comments/1tjrg3x/an_open_letter_to_falling_whale_games_from_the/" target="_blank">Link zum Originalbeitrag</a>). Wer eine Entschuldigung oder zumindest einen Anflug von Selbstreflexion erwartet hatte, wurde enttäuscht &mdash; oder je nach Perspektive: aufs Neue provoziert.
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<p>
Chad beginnt seinen Brief mit einer persönlichen Randnotiz: Er habe sich aus der ursprünglichen Debatte herausgehalten, weil die Diskussion bereits riesig gewesen sei, als er davon erfuhr. Er sei zu dem Zeitpunkt auf dem Rückflug von einer Reise anlässlich seines <strong>20. Hochzeitstages</strong> gewesen. In Klammern setzt er hinzu: <em>„Ich habe nur eine Frau, für alle, die sich Sorgen gemacht haben.“</em> &mdash; eine Anspielung auf Spekulationen, die während des Skandals in der Community kursierten.
</p>
<p>
Und dann folgt der Kern des Briefes. Zunächst als private Nachricht (private message, PM) an Falling Whale Games gedacht, habe Chad sich entschlossen, sie öffentlich zu machen &mdash; denn sie richte sich, so schreibt er, <strong>„in vielerlei Hinsicht auch an die Reddit-Brettspiel-Community“</strong>:
</p>
<div class="letter-box">
<p class="salutation">Im Originalwortlaut (Übersetzung aus dem Englischen):</p>
<p>„Ich wollte nur, dass ihr wisst: Ich würde es alles wieder tun, und zwar für die Gelegenheit, euch das Evangelium zu verkünden. Ein Job &mdash; selbst ein großartiger Job &mdash; ist nur ein Wimpernschlag, und Geld können wir nicht mitnehmen. Aber die Ewigkeit ist eine sehr lange Zeit. Jesus ist alles, was er zu sein behauptet, und er hat Hunderte von Menschen, die euch lieben und für euch beten. Es ist mir eine Freude, an eurer Seite zu stehen. In Liebe, Chad.“</p>
<p class="attribution">Original: <em>„I just wanted you to know that I would do it all again for the opportunity to share the gospel with you. A job, even an amazing job, is just a blip, and money can't be taken with us, but eternity is a very long time. Jesus is everything He claims to be, and has hundreds of people who love you and are praying for you. It's my joy to be in your corner. Love, Chad.“</em> &mdash; Quelle: Reddit</p>
</div>
<p>
Der Brief schließt mit den Worten: <em>„Ich schätze euch alle, denn ohne Brettspiel-Fans hätte ich nicht die wunderbare Erfahrung machen können, in den vergangenen 19 Jahren für BoardGameGeek zu arbeiten!“</em>
</p>
<h2>Die Community zwischen Fassungslosigkeit und Galgenhumor</h2>
<p>
Der Reddit-Beitrag mit Chads offenem Brief generierte innerhalb kurzer Zeit <strong>46 Kommentare</strong> &mdash; deutlich weniger als der ursprüngliche Skandalbeitrag, aber inhaltlich nicht weniger aufgeladen. Die Reaktionen lassen sich grob in drei Lager einteilen:
</p>
<dl>
<dt>Die Fassungslosen</dt>
<dd>Viele Kommentierende konnten kaum glauben, dass jemand nach einem derartigen Skandal und dem Verlust einer fast zwei Jahrzehnte währenden Anstellung keinerlei Einsicht zeigt, sondern stattdessen die Gelegenheit nutzt, um zu missionieren. Ein häufig zitiertes Gefühl: <em>„Der Mann hat nichts gelernt. Gar nichts.“</em></dd>
<dt>Die Galgenhumoristen</dt>
<dd>Ein nicht unerheblicher Teil der Community reagierte mit beißendem Spott. Ob Chads Formulierung über seine <em>„eine Frau“</em>, die pathetische Tonlage des Briefes oder der Umstand, dass ein gefeuertes „Opfer“ des Skandals nun den Spieß umdreht und die Gegenseite bekehren will &mdash; die Absurdität der Situation lieferte reichlich Material für Memes und sarkastische Kommentare.</dd>
<dt>Die Nachdenklichen</dt>
<dd>Einige Stimmen hoben hervor, dass hier zwei grundverschiedene Wertesysteme aufeinanderprallen, zwischen denen kaum eine Brücke möglich ist. Chad sei offensichtlich jemand, für den religiöse Überzeugung tatsächlich über allem stehe &mdash; auch über Karriere, Reputation und gesellschaftlichen Konventionen. Ob man das nun bewundere oder verachte: Es sei zumindest <em>konsequent</em>.</dd>
</dl>
<p>
Auffällig: Größere externe Nachrichtenportale oder Spielemedien haben den offenen Brief bislang <strong>nicht aufgegriffen</strong>. Während der ursprüngliche Skandal eine Welle schlug, die weit über die Brettspiel-Blase hinausreichte, bleibt dieses Nachbeben bislang ein community-internes Phänomen. Das mag daran liegen, dass der Brief keine neuen Fakten schafft, sondern lediglich die Haltung bestätigt, die zur Entlassung führte &mdash; oder daran, dass die Nachrichtenlage schlicht weitergezogen ist.
</p>
<h2>Die Ironie des Scheiterns: Ein Marketing-Coup, den niemand geplant hatte</h2>
<p>
Während Chad sich in seinem offenen Brief auf die Ewigkeit beruft, läuft die irdische Kampagne für <strong>„Possess Me, Satan“</strong> bemerkenswert gut. Der Verlag selbst hat sich nach dem Skandal erstaunlich gelassen und humorvoll gezeigt. Auf Reddit postete Falling Whale Games unter anderem einen Beitrag mit dem Titel <em>„Ergebnis des BGG-Werbe-Fiaskos“</em>, in dem der Verlag sich bei der Community für die überwältigende Unterstützung bedankte.
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<p>
Die Geschichte nahm sogar eine weitere ironische Wendung: Nutzerinnen und Nutzer auf Reddit begannen, alternative Werbeplattformen für das Spiel vorzuschlagen, und die Community teilte den <a href="https://www.reddit.com/r/boardgames/comments/1ti9zku/since_bgg_rejected_their_ad_due_to_religious/" target="_blank">Gamefound-Link zum Spiel</a> so ausgiebig, dass die Kampagne reichlich Sichtbarkeit erhielt &mdash; ganz ohne den Umweg über BGGs Anzeigensystem.
</p>
<h2>19 Jahre BGG: Ein Lebenswerk für eine Überzeugung</h2>
<p>
Kaum zu überschätzen ist die persönliche Dimension: <strong>19 Jahre</strong> hat Chad für BoardGameGeek gearbeitet. BGG wurde 2000 von Scott Alden und Derk Solko gegründet; wer 19 Jahre dabei war, gehörte praktisch zum Inventar der Plattform. Fast zwei Jahrzehnte Brettspielkultur, Community-Aufbau und Anzeigengeschäft &mdash; und dann endet alles mit einer einzigen, aus religiöser Überzeugung abgelehnten Werbeanzeige für ein satirisches Kartenspiel.
</p>
<p>
Dass Chad in seinem Brief keinerlei Groll gegen BGG äußert, sondern sich stattdessen bei den „Brettspiel-Fans“ für die gemeinsamen Jahre bedankt, macht die Sache fast noch surrealer. Es wirkt, als habe er seinen Rauswurf nicht als Ungerechtigkeit empfunden, sondern schlicht als den Preis, den man für das eigene Glaubenszeugnis eben zahle.
</p>
<h2>Was bleibt? Offene Fragen nach dem Sturm</h2>
<p>
Der Skandal um „Possess Me, Satan“ und die Entlassung des BGG-Werbeleiters hat Schichten freigelegt, die weit über ein einzelnes Spiel hinausgehen:
</p>
<ul>
<li><strong>Plattform und Neutralität:</strong> Was passiert, wenn die persönlichen Überzeugungen einzelner Mitarbeitender über die Inhalte entscheiden, die auf einer als neutral wahrgenommenen Plattform erscheinen dürfen? BGG hat mit der Entlassung ein klares Signal gesetzt &mdash; aber wie systematisch sind solche Kontrollmechanismen?</li>
<li><strong>Die Macht der Community:</strong> Der Vorfall zeigt, wie schnell eine empörte Community einen Shitstorm entfachen und einem kleinen Verlag ungeahnte Reichweite verschaffen kann. Ist das ein gesunder Korrekturmechanismus oder eine unberechenbare Dynamik, die beim nächsten Mal auch in die falsche Richtung ausschlagen könnte?</li>
<li><strong>Religiöse Überzeugung am Arbeitsplatz:</strong> Chads Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wo endet Religionsfreiheit im Beruf, und wo beginnt Diskriminierung? Darf ein Unternehmen verlangen, dass persönliche Glaubensüberzeugungen bei geschäftlichen Entscheidungen außen vor bleiben?</li>
<li><strong>Das Schweigen der großen Medien:</strong> Dass Chads offener Brief außerhalb der Reddit-Community kaum Resonanz fand, könnte bedeuten, dass die Geschichte ihren Zenit überschritten hat &mdash; oder dass die zweite Welle noch bevorsteht, wenn größere Brettspiel-Podcasts und YouTube-Kanäle das Thema aufgreifen.</li>
</ul>
<p>
Fest steht: Der „Possess Me, Satan“-Skandal ist mehr als eine kuriose Brettspiel-Anekdote. Er ist ein Lehrstück über die Kollision von persönlichem Glauben und professioneller Verantwortung, über die unkontrollierbare Macht sozialer Medien und über die Frage, wie viel Weltanschauung eine Plattform verträgt, die für alle da sein will. Chads offener Brief mag das letzte Wort in dieser Affäre sein &mdash; oder nur der Auftakt zu einer tiefergehenden Debatte darüber, wer auf BoardGameGeek eigentlich die Regeln bestimmt.
</p>
<hr>
<div class="footer-note">
<p><strong>Hinweis:</strong> Dieser Artikel ist eine Fortsetzung unserer Berichterstattung zum BGG-Werbeskandal. Den ursprünglichen Artikel finden Sie hier: <em>„Boardgamegeek.com entlässt Mitarbeiter nach Eklat um Brettspiel mit Satan“</em> (brettspiel-news.de).</p>
<p><strong>Quellen:</strong> Sämtliche Zitate und Informationen stammen aus öffentlich zugänglichen Reddit-Beiträgen, die im Text verlinkt sind. Die Übersetzung des offenen Briefes aus dem Englischen erfolgte durch die Redaktion. Der Vorname des entlassenen Werbeleiters wurde auf den von ihm selbst verwendeten Namen gekürzt.</p>
<p><strong>Schlagworte:</strong> BoardGameGeek, Possess Me Satan, Falling Whale Games, BGG-Werbeskandal, Brettspiel-News, Religion und Spiele, Community-Skandal</p>
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