Funf Tage, Tausende von Spielenden, eine Frage: Was bringt die Origins Game Fair 2026?
Vom 17. bis 21. Juni 2026 versammeln sich Brettspiel-Fans im Greater Columbus Convention Center in Columbus, Ohio. Die Origins Game Fair -- nach der Gen Con die zweitgrosste Brettspiel-Messe Nordamerikas -- steht in diesem Jahr unter einem ungewohnlich stimmungsvollen Motto: "Cyberpunk". Das Artwork der Kampagne, geschaffen von Comic-Kunstler Nate Lovett, ist durchgangig im Genre-Stil gehalten.
Fur die deutsche Brettspiel-Community sind amerikanische Messen haufig mit zwei Fragen verbunden: Welche Neuheiten werden dort zuerst gezeigt? Und welche Trends lassen sich daraus fur den europaischen Markt ableiten?
Origins im Schatten der Gen Con
Die Origins Game Fair hat ein Skalierungsproblem, das ihr seit Jahren anhaftet. Mit rund 20.000 Besuchenden (2025) ist sie deutlich kleiner als die Gen Con (70.000+), hat aber einen anderen Charakter: Origins gilt als entspanntere, zuganglichere Messe -- weniger Verkaufsdruck, mehr Zeit zum Ausprobieren. Die Hallen sind uberschaubar, die Wartezeiten an den Demotischen kurz.
"I'm here. Saw a number of games today and met a bunch of people. First time so more taking it in than anything else." Reddit-Nutzende, r/boardgames, 18. Juni 2026
Die entspannte Atmosphare ist Fluch und Segen zugleich: Fur Besuchende, die in Ruhe testen wollen, ist Origins ideal. Fur Verlage, die grosse Ankundigungen platzieren wollen, bietet die Messe zu wenig Reichweite. Die richtig grossen Reveals heben sich die Publisher traditionell fur die Gen Con im August auf.
Was ist bisher bekannt?
Offizielle Ankundigungen zu konkreten Spielen sind zum jetzigen Zeitpunkt (Tag 2 der Messe) noch sparlich. Das Greater Columbus Convention Center bietet in diesem Jahr funf Hallen mit Schwerpunkt auf Tabletop, Miniaturen und Rollenspielen -- ein Bereich, der bei der deutschen Zielgruppe traditionell etwas weniger prasent ist als das klassische Brettspiel.
Ein Thread auf r/boardgames, der explizit nach Origins-Eindrucken fragte, beklagte das Fehlen einer grosseren Diskussion: "I'm surprised to not see any Origins threads yet. I know it's not as big as GenCon, but hopefully we can see some discussion." Die Antworten blieben uberschaubar -- ein Indiz dafur, dass die Reichweite der Messe in der Online-Community begrenzt ist.
Cyberpunk als Thema
Dass eine Brettspiel-Messe das Cyberpunk-Genre als Leitthema wahlt, ist bemerkenswert. Wahrend Fantasy-Elemente (Drachen, Magie, Mittelalter) auf Messen omniprasent sind, ist Cyberpunk in der Brettspiel-Welt unterreprasentiert. Spiele wie Android: Netrunner (Fantasy Flight Games, 2012) oder das neuere Cyberpunk 2077: The Board Game (Go On Board, 2025) zeigen, dass das Genre Potenzial hat -- aber der Durchbruch auf dem Massenmarkt steht noch aus.
Das Artwork von Nate Lovett, bekannt fur Comic-Arbeiten mit dynamischer Linienfuhrung und Neon-Farbpalette, gibt der Messe einen visuell eigenstandigen Auftritt, der sich von den ublich-bunten Brettspiel-Messeplakaten abhebt. Immerhin ein Statement in einer Branche, die asthetisch oft auf Nummer sicher geht.
Einordnung fur den deutschen Markt
Fur die Leserschaft von brettspiel-news.de ist Origins vor allem als Fruhindikator interessant: Welche Spiele, die auf der SPIEL in Essen (Oktober 2026) zu sehen sein werden, tauchen hier zum ersten Mal auf? Welche Kleinverlage nutzen die niedrigeren Standkosten in Columbus, um ihre Prototypen einem ersten Publikum zu zeigen?
Die Antworten auf diese Fragen werden sich in den nachsten Tagen fullen -- sobald die Besuchenden ihre Eindrucke in Foren und sozialen Medien teilen. Bis dahin gilt: Origins 2026 ist eine Messe zum Entdecken, nicht zum Verkunden. Und manchmal ist genau das der bessere Ansatz.