Gewerkschaftsgründung bei Wizards of the Coast: MTG Arena-Team stimmt mit 80 Prozent für United Wizards of the Coast
Historischer Moment in der Spielebranche: Die Beschäftigten des Magic: The Gathering Arena Digital-Teams von Wizards of the Coast haben mit 80 Prozent für die Gründung der Gewerkschaft United Wizards of the Coast (UWOTC) gestimmt. Die Auszählung der National Labor Relations Board (NLRB)-Wahl am 23. Juni 2026 bestätigte das deutliche Votum. Es ist die erste Gewerkschaftsgründung bei einer Tochtergesellschaft des Spielzeugriesen Hasbro — und ein weiterer Meilenstein in der wachsenden gewerkschaftlichen Organisierung der Spielebranche.
United Wizards of the Coast — Fakten
Chronologie: Vom offenen Brief zur NLRB-Wahl
Am 27. April 2026 kündigte die Gruppe United Wizards of the Coast gemeinsam mit der Communications Workers of America (CWA) ihre Gewerkschaftsgründung an. In einem offenen Brief an das Management forderten die Beschäftigten faire Löhne, Schutz vor Entlassungen und ein Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen. Die Gewerkschaft vertritt ausschließlich das MTG Arena Digital-Team in Renton, Washington — nicht die gesamte Belegschaft von Wizards of the Coast. Zu den vertretenen Rollen gehören Animators, Artists, Game Designers, Product Managers, Software Engineers und QA-Mitarbeitende.
Zwei Tage später, am 29. April, bestätigte Wizards of the Coast den Eingang des NLRB-Antrags. Doch bereits am 1. Mai lehnte das Unternehmen eine freiwillige Anerkennung der Gewerkschaft ab — und engagierte die Kanzlei Fisher & Phillips LLP, eine in den USA bekannte Anti-Gewerkschafts-Kanzlei, die regelmäßig von Arbeitgebern zur Bekämpfung von gewerkschaftlicher Organisierung eingesetzt wird.
Die NLRB setzte daraufhin eine formelle Wahl an. Unter dem Aktenzeichen NLRB Case 19-RC-385755 fand die Abstimmung am 2. Juni 2026 statt. Die Stimmauszählung am 23. Juni ergab ein klares Ergebnis: 80 Prozent der Wahlberechtigten stimmten für die Gewerkschaft. Das Ergebnis ist rechtlich bindend — Wizards of the Coast ist nun verpflichtet, mit der UWOTC in Tarifverhandlungen zu treten.
Die Forderungen der Beschäftigten
Die Mitarbeitenden des MTG Arena-Teams treiben mehrere konkrete Anliegen an. Im Zentrum steht der Schutz vor Entlassungen: Trotz Rekordgewinnen von Wizards of the Coast im Jahr 2023 hatte der Mutterkonzern Hasbro in den folgenden Jahren umfangreiche Stellenstreichungen vorgenommen. Die Gewerkschaft soll hier ein Gegengewicht schaffen.
„Bei Wizards organisieren wir uns für ein Mitspracherecht bei Entlassungen, für Rechenschaftspflicht, die in beide Richtungen der Hierarchie gilt, und für einen existenzsichernden Lohn, der es den Menschen tatsächlich ermöglicht, sich ein Leben aufzubauen."
— Damien Wilson, Senior Software Engineer bei Wizards of the Coast
Ein weiteres zentrales Thema ist die Regulierung von generativer KI in der Spieleentwicklung. Die Beschäftigten fordern klare Richtlinien, die den Einsatz von KI-Tools begrenzen und Arbeitsplätze in kreativen und technischen Bereichen schützen. Hinzu kommen Forderungen nach fairen Gehältern — einem „living wage", das über dem bloßen Existenzminimum liegt — sowie der Schutz von Remote Work, die während der Pandemie etabliert wurde und für viele Beschäftigte essenziell ist. Schließlich verlangt die Belegschaft mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht des Managements, insbesondere bei strategischen Entscheidungen, die Arbeitsplätze betreffen.
Kontroversen: Union Busting und Deadnaming-Vorwürfe
Der Weg zur Gewerkschaft war von erheblichen Spannungen begleitet. Die Entscheidung von Hasbro und Wizards of the Coast, die Kanzlei Fisher & Phillips LLP zu engagieren, wurde von Arbeitsrechtsexperten und Branchenbeobachtern als klares Signal gewertet, dass das Management die gewerkschaftliche Organisierung aktiv bekämpfen wollte. Fisher & Phillips ist in den USA für ihre aggressive Anti-Gewerkschafts-Strategie bekannt und wird regelmäßig von Großkonzernen engagiert, um Abstimmungen zu beeinflussen.
Besonders schwer wiegen Vorwürfe, über die das Spielemagazin Kotaku berichtete: Wizards of the Coast soll transsexuelle Mitarbeitende während des Wahlprozesses wiederholt mit ihren alten Namen — sogenannten Deadnames — angesprochen haben. Das Unternehmen entschuldigte sich öffentlich für den Vorfall, wiederholte das Verhalten jedoch nach Darstellung Betroffener kurz darauf erneut. Die Vorfälle warfen ein Schlaglicht auf die Unternehmenskultur und verstärkten den Wunsch vieler Beschäftigter nach einer unabhängigen Interessenvertretung.
Bemerkenswert ist auch, dass Wizards of the Coast während des gesamten Prozesses keine direkte Kommunikation mit den Gewerkschaftsvertretern führte, sondern ausschließlich über Pressemitteilungen mit der Öffentlichkeit sprach.
Einordnung: Teil einer wachsenden Bewegung
Die Gründung von United Wizards of the Coast ist kein isoliertes Ereignis. Sie ist Teil der CODE-CWA-Initiative (Campaign to Organize Digital Employees), unter deren Dach sich bereits über 4.000 Beschäftigte der Spiele- und Technologiebranche gewerkschaftlich organisiert haben. Die CWA, eine der größten Gewerkschaften der USA mit Schwerpunkt auf Kommunikations- und Medienberufen, hat die Organisierung der Spielebranche in den letzten Jahren zu einem strategischen Schwerpunkt gemacht.
„Die heutige Gewerkschaftsankündigung ist ein Meilenstein — nicht nur für diese Beschäftigten, sondern für die gesamte Spielebranche."
— Susie McAllister, Vizepräsidentin des CWA District 7
Ein wichtiges Vorbild ist der Rollenspielverlag Paizo, dessen Belegschaft sich 2022 als United Paizo Workers ebenfalls mit der CWA organisierte und 2023 den ersten Tarifvertrag der Spielebranche ratifizierte. Der Erfolg der UWOTC zeigt, dass die gewerkschaftliche Organisierung auch in traditionsreichen Unternehmen der Branche Fuß fasst — selbst gegen den Widerstand großer Konzerne wie Hasbro.
Der YouTube-Kanal Dungeons & Discourse hat die Vorgänge in einem ausführlichen Video dokumentiert und dabei insbesondere Hasbros Vorgehen kritisch beleuchtet. Die Darstellung ist subjektiv gefärbt, stützt sich aber auf öffentlich zugängliche NLRB-Dokumente und Primärquellen.
Für die Spielebranche ist das Votum ein Signal: Selbst in einem wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen mit stärken Marken wie Magic: The Gathering sehen Beschäftigte die Notwendigkeit, ihre Interessen kollektiv zu vertreten. Die kommenden Tarifverhandlungen zwischen UWOTC und Wizards of the Coast werden mit Spannung erwartet — sie könnten Maßstäbe für die gesamte Branche setzen.
Quellen- CWA-Pressemitteilung: Wizards of the Coast Developers Form Union with CWA — Primärquelle, 27. April 2026
- Open Letter der United Wizards of the Coast — Primärquelle, 27. April 2026
- EN World: Wizards of the Coast Declines to Voluntarily Recognize Union — 1. Mai 2026
- Star City Games: Union Election Date Set for MTG Arena Employees — inkl. NLRB-Daten, Juni 2026
- NLRB Case File 19-RC-385755 — offizielle Falldaten
- Dungeons & Discourse: Bericht zur WotC-Gewerkschaftsgründung — YouTube, Juni 2026
Recherchestand: 6. Juli 2026. Basierend auf CWA-Pressemitteilung, NLRB-Dokumenten, Open Letter der UWOTC sowie Berichterstattung von EN World, Star City Games und Dungeons & Discourse.