Das kostet der Zoll: CGE-CEO beziffert US-Aufpreis für Kingdom Come auf 30 Dollar
Was viele in der Branche seit Monaten befürchten, wird jetzt mit konkreten Zahlen belegt: Die US-Importzölle treiben die Preise für Brettspiele spürbar in die Höhe. Petr Murmak, CEO von Czech Games Edition (CGE), hat auf BoardGameGeek detailliert vorgerechnet, warum US-Kundinnen und -Kunden für Kingdom Come: Deliverance – Das Brettspiel rund 30 Dollar mehr bezahlen als Europäer. Das epische Adventure-Spiel, eine Co-Produktion der Design-Ikonen Tomáš Holek und Vlaada Chvátil, kostet in Europa 149,99 Euro — in den USA hingegen 199,99 Dollar.
Kingdom Come: Deliverance – Das Brettspiel
Kingdom Come: Deliverance – Das Brettspiel — Fakten
Die Rechnung: 149,99 × 1,15 × 1,15 = 198,36 Dollar
Murmak nahm sich auf BGG die Zeit, die Preisdifferenz mit einer einfachen Formel zu erklären. „Der USD-EUR-Kurs liegt derzeit bei etwa 1:1,15, und der Zoll für in der EU produzierte Waren beträgt 15 Prozent — wir produzieren unsere Spiele in unserer eigenen Fabrik in Tschechien", schrieb der CGE-Chef. Daraus ergibt sich: 149,99 × 1,15 (Wechselkurs) × 1,15 (Zoll) = 198,36 Dollar — aufgerundet also ziemlich genau die 199,99 Dollar, die CGE in den USA verlangt.
Doch damit nicht genug: „Der Versand in die USA kostet uns ebenfalls etwas, sodass wir pro Exemplar in den USA etwas weniger Gewinn machen als in der EU", ergänzte Murmak. „Hinzu kommt die Unsicherheit über künftige Zölle — sie könnten steigen, es gab bereits entsprechende Drohungen der US-Regierung. Oder der Dollar könnte fallen, wie schon im vergangenen Jahr."
„149.99 × 1.15 × 1.15 = 198,362 USD. Shipping to US also costs us something, so we have slightly less profit on one copy in US than in EU."
CGE produziert — anders als viele andere Verlage — in einer eigenen Fabrik in Tschechien und ist damit nicht von den noch höheren Zöllen auf chinesische Importe betroffen. Dennoch schlägt der 15-Prozent-Zoll auf EU-Waren voll durch. Murmaks Transparenz ist in der Branche ungewöhnlich: Die meisten Verlage kommentieren Preiserhöhungen nur vage oder gar nicht.
Kein Einzelfall: SETI bereits um 10 Dollar teurer
Kingdom Come ist nicht das erste CGE-Spiel, das von den Zöllen betroffen ist. Bereits im Mai kündigte der Verlag an, dass SETI: Search for Extraterrestrial Intelligence — Holeks preisgekröntes Weltraum-Eurogame mit über 100.000 verkauften Exemplaren — für US-Kunden um 10 Dollar auf 80 Dollar steigen wird, sobald der aktuelle Lagerbestand aufgebraucht ist. „Die Situation bleibt volatil", warnte CGE damals in einem Blogbeitrag und empfahl, den Newsletter zu abonnieren, um über weitere Anpassungen informiert zu bleiben.
Für Vorbestellungen des Lost Ruins of Arnak: Adventure Chest übernimmt CGE die zusätzlichen Zollkosten hingegen selbst — ein Zugeständnis an die treue Fangemeinde, das aber nicht unbegrenzt skalierbar ist.
Branche unter Druck: Containerpreise explodieren
CGE steht mit dem Zoll-Problem nicht allein. Seit Monaten warnen Verlage vor steigenden Preisen, doch viele scheuen die offene Kommunikation aus Angst vor Kundenverärgerung. Die Zahlen sind jedoch eindeutig: Laut Daten des Logistikdienstleisters Freightos, über die die Financial Times berichtete, sind die Container-Frachtraten von China zur US-Ostküste zuletzt auf 7.880 Dollar gestiegen — ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vormonat. Auch die Route China–Mittelmeer verteuerte sich um 47 Prozent auf 6.431 Dollar.
Treiber sind die Erwartung weiterer US-Zölle und ein vorgezogener Lageraufbau für das Weihnachtsgeschäft. Für Verlage, die in China produzieren lassen, kommt also zur Zollbelastung noch ein drastischer Anstieg der Transportkosten hinzu. CGE ist mit der tschechischen Eigenproduktion zumindest von den China-Frachtraten entkoppelt — der US-Zoll auf EU-Waren trifft den Verlag aber trotzdem mit voller Wucht.
Auf BoardGameGeek hat die Community das Thema längst aufgegriffen: Eine Geeklist zu den Tarifeffekten sammelt betroffene Spiele und dokumentiert die Preisaufschläge. Auch auf Reddit wird rege über die CGE-Preisdiskrepanz diskutiert.
Das Spiel: Ein episches Abenteuer von zwei Design-Größen
Kingdom Come: Deliverance – Das Brettspiel ist die erste Zusammenarbeit von Tomáš Holek und Vlaada Chvátil — zwei der profiliertesten Designer der Branche. Chvátil ist unter anderem für Codenames, Mage Knight und Through the Ages verantwortlich, Holek landete mit SETI einen der größten Erfolge des vergangenen Jahres. Die Vorlage, das gleichnamige Videospiel von Warhorse Studios, verkaufte sich samt 2025er-Sequel über 16 Millionen Mal.
Das Brettspiel ist ein kooperatives Kampagnen-Spiel für 1 bis 4 Personen, angesiedelt im Böhmen des Jahres 1403. Es kombiniert eine offene Spielwelt mit Deckbuilding-Mechaniken: Spielende entwickeln ihren Charakter vom einfachen Bauern zum Ritter, Dieb oder Gelehrten, erfüllen Quests und gestalten den Lauf der Geschichte mit. Mit einer Spieldauer von zwei bis über fünf Stunden und einer Komplexität von 4.0 von 5 auf der BGG-Skala richtet es sich an erfahrene Spielerinnen und Spieler.
„Jedes Mal, wenn Tomáš und ich uns zu einem weiteren Playtest zusammensetzen, schauen wir uns unweigerlich an und denken: Verdammt, dieses Spiel macht immer noch so viel Spaß." — Vlaada Chvátil
Die erste Auflage erscheint zur SPIEL Essen 2026 in limitierten Wellen. Eine deutsche Lokalisierung ist derzeit nicht angekündigt — das Spiel setzt umfangreiche Textkenntnisse in Englisch voraus.
Was das für die Branche bedeutet
Murmaks Offenheit setzt einen neuen Standard. Wo andere Verlage Preiserhöhungen stillschweigend umsetzen oder mit vagen Formulierungen kaschieren, liefert CGE eine nachvollziehbare Rechnung. Das schafft Vertrauen — zeigt aber auch, wie real die Belastung durch die US-Handelspolitik für die Brettspielbranche bereits ist.
Für europäische Kundinnen und Kunden bleibt der Preis mit 149,99 Euro zwar happig, aber im Rahmen dessen, was für ein Spiel dieser Größenordnung zu erwarten ist. In den USA hingegen durchbricht der 199,99-Dollar-Preis eine psychologisch wichtige Schwelle: 200 Dollar für ein Brettspiel galten lange als kaum vermittelbar. Dass CGE diesen Preis dennoch ansetzt — und offen erklärt, warum —, könnte anderen Verlagen als Blaupause dienen.
Ob die Zölle weiter steigen, hängt von politischen Entscheidungen in Washington ab. Sicher ist nur: Die goldenen Zeiten billiger Container und zollfreier Importe sind vorerst vorbei.
Quellen- BoardGameWire — Czech Games CEO says US tariffs drove $30 price gap between US, European editions of Kingdom Come: Deliverance board game (03. Juli 2026)
- CGE Blog — Big News from CGE Unlocked: New Games, Digital Updates, Tariffs & Upcoming Shows (Mai 2026)
- CGE Kampagnenseite — Kingdom Come: Deliverance – The Boardgame: Pre-Order, Komponenten, Credits
- BoardGameGeek — Kingdom Come: Deliverance – The Board Game (2026): Spiel-Details, Ratings, Community-Stats
- BoardGameGeek Geeklist — Tariff Effects on Board Games: Community-Dokumentation betroffener Spiele
- CGE Shop — Kingdom Come: Deliverance – The Board Game: Preis und Verfügbarkeit
Recherchestand: 08. Juli 2026. Basierend auf BoardGameWire-Berichterstattung, CGE-Blog, BGG-Daten und Petr Murmaks BGG-Statement.