22. Mai 2026

Branche · 22. Mai 2026 · Lesezeit: ~2 Min.

Fake-Handwerker stiehlt Magic-Karten für 8.630 Euro aus Hasbro-Lager

Ein 24-Jähriger verschaffte sich mit erfundener Identität Zutritt zum Logistikzentrum in Soest — die Beute war so brandneu, dass sie europaweit nur an diesem Standort lagerte.

Drei Displays einer nagelneuen Edition von Magic: The Gathering (MtG), die erst zwei Monate zuvor an den Großhandel ausgeliefert worden waren — und ein Verkaufspreis, bei dem jedem kaufwilligen Menschen klar sein musste, „dass die vom Lkw gefallen sind". Was sich im April 2024 im Soester Logistikzentrum des Spielzeugherstellers Hasbro abspielte, klingt nach einem laienhaft-dreisten Krimi — und endete jetzt, zwei Jahre später, vor Gericht.

⚡ Auf einen Blick

Ein Handwerksbetrieb, den es nie gab

Die Masche war simpel, aber effektiv: Der Angeklagte gab sich als Mitarbeiter eines Handwerksbetriebs aus, das angeblich Wartungsarbeiten in der Halle durchführte. Damit verschaffte er sich Zutritt zum gesicherten Logistikbereich. Dumm nur: Das Handwerksunternehmen hatte an jenem Tag überhaupt niemanden entsandt — der Mann war dort nie angestellt.

Eine aufmerksame Person aus der Logistik bemerkte kurze Zeit später, dass Kartons aufgerissen worden waren und Ware fehlte. Auf eigene Faust recherchierte sie bei Online-Kleinanzeigen — und wurde fündig: Der angebliche Handwerker bot dort gleich drei Displays der brandneuen Edition zum Verkauf an, zu Preisen, die weit unter dem Marktwert lagen.

Ein einziger Standort — null plausible Alternative

Was den Fall für das Gericht wasserdicht machte: Die betroffene Edition wurde europaweit ausschließlich über den Standort Soest vertrieben und war erst wenige Tage vor dem Diebstahl im Einzelhandel erhältlich. Drei Displays dieser Ware als Privatperson zu besitzen und zu Schleuderpreisen anzubieten — „eine solche Verkettung von Zufällen wäre sehr unwahrscheinlich", stellte die Richterin trocken fest.

Hinzu kam ein zweiter Anfängerfehler: Statt sich ordnungsgemäß abzumelden und den Besucherausweis abzugeben, checkte der Täter am nächsten Tag erneut mit demselben Ausweis ein. Das spricht für Insiderwissen — woher genau es stammte, blieb jedoch unklar.

Kein Wort der Reue — und ein Standort vor dem Aus

Vor Gericht in Soest zeigte sich der bislang nicht vorbestrafte 24-Jährige wortkarg: Über zwei Verhandlungstage sprach er keine 20 Worte, nahm das Urteil regungslos entgegen. Die Geldstrafe beträgt 3.600 Euro, dazu kommen 8.630 Euro Wertersatz und die Verfahrenskosten. Das Diebesgut selbst blieb bis heute verschwunden.

Für Trittbrettfahrende lohnt sich die Lektüre dieses Artikels übrigens nicht als Blaupause: Der Hasbro-Standort in Soest, einer der zentralen Logistikknoten des Unternehmens in Europa, steht ohnehin kurz vor der endgültigen Schließung.

Quelle:
· Soester Anzeiger: „Soester stiehlt Sammelkarten für mehrere tausend Euro bei Hasbro" (22. Mai 2026, Klaus Bunte)