3. Juli 2026

CGE-CEO Petr Murmak rechnet vor: 150 Euro × Wechselkurs × 15-Prozent-Zoll = 200 Dollar — und warum der Verlag an US-Kopien sogar weniger verdient.

CGE erklärt Preisunterschiede bei Kingdom Come — US-Zölle als Hauptgrund

Als Czech Games Edition (CGE) in dieser Woche die lang erwartete Brettspiel-Adaption von Kingdom Come: Deliverance ankündigte, sorgte vor allem eine Zahl für Diskussionen: Während das Spiel in Europa für 149,99 Euro vorbestellt werden kann, verlangt CGE im eigenen US-Shop 199,99 Dollar — rund 30 Dollar mehr, als der reine Wechselkurs erwarten ließe. Auf Reddit und BoardGameGeek (BGG) fragten Nutzer nach den Gründen — und bekamen eine ungewöhnlich transparente Antwort direkt vom CEO.


Die Rechnung des CEOs: Wechselkurs plus Zoll

Petr Murmak, CEO von Czech Games Edition, antwortete persönlich im BGG-Forum und auf Reddit. Seine Rechnung ist einfach, aber aufschlussreich:

„USD zu EUR steht gerade bei etwa 1:1,15, und der Zoll beträgt 15 Prozent für Produktion in der EU — wir produzieren unsere Spiele in unserer eigenen Fabrik in Tschechien. Also: 149,99 × 1,15 × 1,15 = 198,36 USD."

Die 149,99 Euro werden zunächst zum aktuellen Wechselkurs in rund 172,50 Dollar umgerechnet. Darauf schlägt der US-Einfuhrzoll von 15 Prozent auf Waren aus der Europäischen Union auf — womit der Endpreis bei knapp 200 Dollar landet. Murmak fügte hinzu, dass der Versand in die USA zusätzliche Kosten verursache, sodass CGE an einem in den USA verkauften Exemplar sogar „etwas weniger" verdiene als an einem europäischen.

Ein weiterer Faktor sei die Unsicherheit über künftige Zollerhöhungen: „Es gab bereits Drohungen von der US-Regierung, die Zölle könnten steigen — oder der Dollar könnte wieder fallen wie letztes Jahr." Der Preis enthälte daher auch eine Risikoprämie.

Kein Einzelfall: CGE und die US-Zölle

Dass CGE die Zollkosten an US-Kunden weitergibt, ist nicht neu. Bereits im April 2025 kündigte der Verlag an, den US-Preis für SETI: Search for Extraterrestrial Intelligence um 10 auf 80 Dollar zu erhöhen, sobald der bestehende US-Lagerbestand aufgebraucht sei — ebenfalls mit Verweis auf die Zölle. Gleichzeitig versprach CGE, für Vorbestellungen der Lost Ruins of Arnak: Adventure Chest keine zusätzlichen Zollkosten zu berechnen, sondern diese selbst zu tragen.

Die Preisstrategie ist also abgestuft: Bei kleineren Produkten oder Vorbestellungen versucht CGE, die Mehrkosten zu schlucken. Bei einem 150-Euro-Schwergewicht wie Kingdom Come: Deliverance mit über 700 Karten und 500 Spielmaterial-Teilen ist das offenbar nicht mehr wirtschaftlich darstellbar.

Für Kanada gilt übrigens der europäische Preis — ein Hinweis darauf, dass dort keine vergleichbaren Zölle auf EU-Importe erhoben werden.

US-Brettspielmarkt unter Zolldruck

Die Preisdiskussion um Kingdom Come fällt in eine angespannte Phase des US-Brettspielmarkts. Seit 2025 kämpfen Verlage mit teils drastischen Zollerhöhungen: Auf chinesische Importe — aus denen ein Großteil der Branche produziert — lagen die Zölle zeitweise bei 145 Prozent, bevor sie im Mai 2025 im Rahmen einer 90-tägigen „Waffenruhe" auf 30 Prozent gesenkt wurden. Auch nach dieser Reduzierung bleiben die Kosten für viele Verlage existenzbedrohend.

CGE ist mit seiner eigenen Fabrik in Tschechien in einer Sonderposition: Statt der China-Zölle greift hier der EU-Zoll von 15 Prozent — moderater, aber immer noch spürbar. Die Frachtkosten verschärfen die Lage zusätzlich: Laut Frachtbörse Freightos stiegen die Preise für einen 40-Fuß-Container von China zur US-Ostküste zuletzt um 62 Prozent auf 7.880 Dollar, angetrieben von vorgezogenen Importen aus Angst vor weiteren Zollerhöhungen.

Murmaks offene Kommunikation ist in der Branche bemerkenswert. Während viele Verlage Preiserhöhungen stillschweigend umsetzen oder in allgemeine „gestiegene Kosten" verpacken, legt CGE die Kalkulation offen — und macht damit den direkten Zusammenhang zwischen Handelspolitik und Brettspielpreisen sichtbar.

Das Spiel: Ein Schwergewicht aus Tschechien

Kingdom Come: Deliverance – Das Brettspiel erscheint zur SPIEL Essen 2026 und ist die erste Zusammenarbeit der tschechischen Star-Designer Tomáš Holek (SETI) und Vlaada Chvátil (Codenames, Durch die Zeiten, Mage Knight). Das Abenteuerspiel mit Euro-Elementen basiert auf dem preisgekrönten Mittelalter-RPG von Warhorse Studios, das sich über 16 Millionen Mal verkauft hat. Es unterstützt 1 bis 4 Spieler, dauert rund 90 Minuten pro Person und erscheint in limitierten Wellen, um die Produktionsqualität sicherzustellen. Vorbestellungen sind bis zum 16. August 2026 exklusiv über die CGE-Shops möglich, die EU-Auslieferung ist für Oktober 2026 geplant, die US-Auslieferung für das erste Quartal 2027.

Quellen
  1. Reddit r/boardgames — CGE explains the price disparity between European and US versions (Juli 2026)
  2. BoardGameGeek-Thread — Why is there such a difference between the European price and the US price? Mit Antwort von CGE-CEO Petr Murmak (Juli 2026)
  3. BoardGameWire — Czech Games CEO says US tariffs drove $30 price gap (3. Juli 2026)
  4. CGE Unlocked — Ankündigung zu SETI-Preiserhöhung und Zöllen (30. April 2025)
  5. CGE-Website — Offizielle Produktseite zu Kingdom Come: Deliverance – The Board Game

Recherchestand: 3. Juli 2026. Basierend auf Primärquellen (Reddit, BGG-Forum mit CEO-Antwort), BoardGameWire-Berichterstattung und offiziellen CGE-Ankündigungen.