Reise zur Gen Con, 6.500 Dollar, Branchenzugang: Drei TTRPG-Designer gewinnen Diana Jones Emerging Designer Program 2026
Es ist ein Award, dessen Trophäe aus den verbrannten Überresten eines gescheiterten Rollenspiels besteht. Der Diana Jones Award for Excellence in Gaming ist der vielleicht kurioseste Preis der Tabletop-Branche — und sein Emerging Designer Program (EDP) hat sich in nur sechs Jahren zu einem der wichtigsten Karriere-Beschleuniger für aufstrebende Spieleentwickelnde entwickelt. Am 4. Juni gab das Komitee die drei Gewinner des Jahrgangs 2026 bekannt: Glaiza Champion, J Strautman und Kodi Gonzaga. Alle drei kommen aus dem TTRPG-Bereich — ein Novum in der Programmgeschichte.
Die drei Gewinner 2026
Glaiza Champion bezeichnet sich selbst als „Third-Culture Kid": aufgewachsen in Brunei, Kambodscha, den Philippinen und Korea, heute Filipino-American. Champion arbeitet als Game Designer, Writer, Performer, Podcaster und Variety Streamer. Ihr Fokus liegt auf Storytelling — gleichermaßen in großen Kampagnen wie in kleinen, intimen Geschichten. Zu ihren bisherigen Werken gehören Beef, Missing Month und Meet Your GelCub.
J Strautman, auch unter dem Namen Yes No Goodbye bekannt, kommt aus Toronto und ist nicht nur RPG-Designer, sondern auch professioneller Musiker (Bassist mit internationalen Tourneen). Strautman ist Co-Host und Musiker des Actual-Play-Podcasts Planet Arcana und veröffentlichte mehrere GM-less Zine-RPGs, darunter Contact und Insatiable Cravings. 2025 erschien A Fool's Errand über Planet Arcana Games.
Kodi Gonzaga aus Los Angeles ist seit 2018 im Game Design tätig. Gonzaga arbeitet als TTRPG-Designer, Creative Writer und Actual-Play-Performer, war Big Bad Con POC Scholar und zuvor als Convention Coordinator bei der Indie Game Developers Network (IGDN) aktiv. Zu Gonzagas Werken gehören Extra Ordinary, Misfits & Mayhem SRD, Down the Road Through the End of the World und das Firebrands-Hack Voxinn. Gonzaga war 2025 bereits unter den Finalisten des Programms — und wurde im zweiten Anlauf Gewinner.
6.500 Dollar, GAMA-Mitgliedschaft und eine Bühne in Indianapolis
Das Preispaket hat einen Gesamtwert von über 6.500 US-Dollar und ist darauf ausgelegt, nicht nur einen einmaligen Event-Besuch zu finanzieren, sondern langfristige Branchenzugänge zu schaffen:
- Gen-Con-Reise: vollständig bezahlter Trip zur Gen Con in Indianapolis (30. Juli – 2. August 2026) — inklusive Badge, Hotel, Reisekosten und Verpflegungsgeld
- GAMA-Mitgliedschaft: einjährige Voting-Mitgliedschaft bei der Game Manufacturers Association — der zentrale Branchenverband des Tabletop-Handels
- TTGDA-Mitgliedschaft: einjährige Vollmitgliedschaft bei der Tabletop Game Designers Association
- Prototyping-Guthaben: bei The Game Crafter, dem führenden Print-on-Demand-Dienst für Brettspiel-Prototypen
- Hobby Games eLibrary: digitale Sammlung mit über einem Dutzend Fachbüchern — darunter The Kobold Guide to Board Game Design, Shannon Appelclines fünfbändige Designers & Dragons-Reihe und Robin D. Laws' Beating the Story
- Medienpräsenz: Gen Con TableTakes Interview sowie ein Game-Demo-Spot auf Gen Con TV
- Protospiel Online Badge: Zugang zur Online-Prototyping-Convention
„Gen Con is an incredibly important convention for freelance designers to get their work noticed and signed."
– Marceline Leiman, EDP-Gewinnerin 2025 (Interview mit BoardGameWire, Mai 2025)
Finalisten mit Brettspiel-Power
Neben den drei Gewinnern nominierte das Auswahlkomitee vier weitere Finalisten, die es in diesem Jahr nicht aufs Podium geschafft haben — darunter mit Connie Vogelmann eine der bekanntesten Brettspiel-Designerinnen der letzten Jahre. Vogelmann ist die Designerin von Wyrmspan und Apiary (beide Stonemaier Games). Weitere Finalisten:
- Annabel Lee Journey, Designerin von Cretaceous Rails
- Elijah Djan, Co-Creator von FinMaster, einem Spiel zur Finanzbildung für Familien
- Gene Koo, Brettspiel-Designer und Förderer der Tabletop-Design-Szene in der Washington-DC-Region
Sechs Jahre, 15 Karrieren, ein Muster
Das Emerging Designer Program wurde 2021 ins Leben gerufen. Die erste Gewinnerin war die koreanisch-amerikanische Designerin Jeeyon Shim — eine Wahl, die den Ton für das Programm setzte: Fokus auf marginalisierte Stimmen, lyrische Prosa, innovative Mechaniken. Seitdem hat das Programm 15 Designer gefördert, darunter:
- momatoes (Bianca Canoza), 2022 — philippinische Auteur-Designerin, schuf mit ARC: Doom eines der gefeiertsten Indie-TTRPGs des Jahres
- Quinn Brander, 2024 — Cree-Designer aus Vancouver, dessen Rebuilding Seattle den Dice Tower Seal of Excellence erhielt
- Clarence Simpson, 2024 — Co-Designer von The Wolves (BGG Hotness #1, 15 Sprachen, Dutch Game of the Year)
- Lyla McBeath Fujiwara, 2025 — Project Lead des Cosmere RPG, des höchstfinanzierten Tischspiel-Kickstarters aller Zeiten (über 15,1 Millionen Dollar)
Die Zahl der Gewinner variierte über die Jahre: 2021 und 2022 gab es je eine Person, 2023 und 2024 je vier, 2025 ebenfalls vier. Dass 2026 drei reine TTRPG-Designer ausgewählt wurden, ist ungewöhnlich — in den Vorjahren gab es stets eine Mischung aus Brettspiel- und Rollenspiel-Kreativen.
Eine Pyramide aus verbrannten Nazi-Pappfiguren
Der Diana Jones Award selbst existiert seit 2001. Verliehen wird er für „Excellence in Gaming", entschieden von einem geschlossenen, größtenteils anonymen Komitee — nicht nach Popularität oder kommerziellem Erfolg, sondern nach Verdienst. Die Trophäe ist eine Legende für sich: eine 10 Zentimeter hohe vierseitige Plexiglas-Pyramide auf Holzsockel. Im Inneren eingeschweißt: die verbrannten Überreste des letzten existierenden Exemplars des Indiana Jones Role-Playing Game von TSR aus den 1980ern — inklusive zweier noch erkennbarer „Nazi™"-Pappfiguren. Der sichtbare Teil des Logos liest sich als „Diana Jones" — daher der Name. Die Trophäe wurde aus den TSR-Büros „befreit" und gelangte in den Besitz eines Komitee-Mitglieds.
Zu den bisherigen Hauptpreis-Gewinnern gehören Eric Lang (Designer von Blood Rage), der nigerianische Spiele-Publisher NIBCARD, die Actual-Play-Bewegung (Livestreaming und Podcasting von Rollenspielen) sowie — im Jahr 2025 — Rose Estes (Autorin) und das Klima-Action-Brettspiel Daybreak von Matt Leacock und Matteo Menapace.
Ein Programm mit System
Der Auswahlprozess des EDP ist mehrstufig: Einreichungen sind über ein Online-Formular möglich, offen für Selbstnominierungen und Nominierungen durch Dritte. Ein spezielles Auswahlkomitee bestimmt aus allen Eingängen vier bis acht Finalisten, aus denen die Gewinner per Konsens ausgewählt werden. Die Zahl der Gewinner hängt von den verfügbaren Ressourcen des Komitees und der Qualität des Einreichungspools ab.
Finanziert wird das Programm durch Gen Con LLC als Hauptsponsor sowie durch Einzelsponsoren, darunter Anyone's Game Tabletop Game Conference, Michelle Nephew (Atlas Games), Daniel und Laura Block, Adrianna Burton und Pam Punzalan. Das Preispaket wird durch Sachspenden von The Game Crafter, Protospiel Online, der Game Manufacturers Association (GAMA) und der Tabletop Game Designers Association (TTGDA) ergänzt.
Diana Jones Emerging Designer Program — Alle Gewinner 2021–2026:
- 2026: Glaiza Champion, J Strautman, Kodi Gonzaga
- 2025: Ashraf Braden, Elliot Davis, Lyla McBeath Fujiwara, Marceline Leiman
- 2024: Quinn Brander, Taylor Navarro, Clarence Simpson, Basil Wright
- 2023: Kayla Dice, Sen H.H.S., Anthony Joyce-Rivera, Erin Roberts
- 2022: momatoes (Bianca Canoza)
- 2021: Jeeyon Shim
Quellen
- BoardGameWire: TTRPG trio triumph in latest Diana Jones emerging designer program (4. Juni 2026)
- Diana Jones Award: Emerging Designer Program Winners 2026
- Diana Jones Award: EDP Programm-FAQ
- Diana Jones Award: Über den Award und die Trophäe
- Gen Con 2026 (30. Juli – 2. August, Indianapolis)
- BoardGameWire: EDP 2025 mit Marceline-Leiman-Interview (15. Mai 2025)
- Glaiza Champion — Portfolio
- J Strautman (Yes No Goodbye) — Portfolio
- Kodi Gonzaga — Portfolio