Stand: 2. Juli 2026

Die Preisdifferenz beim heiß erwarteten Vlaada-Chvátil-Spiel sorgt für Diskussionen — CGE liefert die Erklärung

150 Euro in Europa, 200 Dollar in den USA: CGE erklärt die Preisdisparität bei Kingdom Come

Am 1. Juli 2026 eröffnete Czech Games Edition (CGE) die Vorbestellungen für Kingdom Come: Deliverance – The Board Game, die mit Spannung erwartete Brettspiel-Adaption des preisgekrönten Mittelalter-Rollenspiels von Warhorse Studios. Was folgte, war nicht nur Begeisterung über das erste gemeinsame Projekt der Star-Designer Tomáš Holek und Vlaada Chvátil — sondern auch eine hitzige Debatte über den Preis. Denn während europäische Kunden das Spiel für 149,99 Euro vorbestellen können, zahlen US-Käufer 199,99 Dollar. Ein Aufschlag von rund 33 Prozent. Auf Reddit eskalierte die Diskussion schnell: 448 Upvotes und 101 Kommentare sammelte ein Thread, der die Frage stellte, die sich viele stellten: Warum ist das gleiche Spiel in den USA so viel teurer?


CGE reagierte prompt — und ungewöhnlich transparent. In einem Kommentar auf Reddit und parallel auf BoardGameGeek legte der Verlag die Kalkulation offen. Die einfache Formel: 149,99 Euro multipliziert mit zwei Faktoren von jeweils 1,15 ergibt 198,36 Dollar. „Shipping to US also costs us something, so we have slightly less profit on one copy in US than in EU“, erklärte CGE auf BoardGameGeek. Übersetzt: Selbst mit dem höheren US-Preis verdient CGE an einem in den USA verkauften Exemplar etwas weniger als an einem europäischen.

Die zwei 15-Prozent-Blöcke: Zölle und Risiko

Was steckt hinter den beiden 1,15-Faktoren? Der erste Block sind die US-Importzölle. Brettspiele fallen unter den Harmonized Tariff Schedule Code 9504.90.60, für den die USA seit den von der Trump-Administration verhängten Strafzöllen auf chinesische Importe einen Zollsatz von 20 Prozent erheben. Da die allermeisten Brettspiele — auch die von CGE — in China produziert werden, schlägt dieser Zoll bei jeder Lieferung in die USA voll durch. Zum Vergleich: Innerhalb der Europäischen Union, wo CGE seinen Sitz in Tschechien hat, fallen keine Zölle an.

Der zweite 15-Prozent-Block ist ein Risikoaufschlag. Der US-Markt ist für europäische Verlage mit zusätzlichen Unsicherheiten verbunden: Wechselkursschwankungen zwischen Euro und Dollar, potenzielle Nachforderungen bei der Zollabwicklung, höhere Transportkosten für den Übersee-Versand und ein dreistufiges Vertriebssystem, bei dem Distributoren und Einzelhändler jeweils ihre Margen einpreisen. „It's both the amount of the tariffs and the greater risk involved in selling to the US“, fasste CGE die Situation auf BGG zusammen.

Ein 13,5-Pfund-Monster: Was steckt im Karton?

Dass Kingdom Come: Deliverance – The Board Game überhaupt in diese Preisregion vorstößt, liegt auch am schieren Umfang des Spiels. Der Karton wiegt 6,1 Kilogramm und enthält über 500 Karten, mehr als 300 Tokens und Marker, 184 Tiles, 164 Spielfiguren, vier Spielertableaus, drei Zusatzboards und einen Hauptspielplan. Dazu kommen zehn Hauptstorylines mit eigenen Karten und Tiles sowie 55 Nebenquests. Ein Solospiel dauert etwa 90 Minuten, eine Partie zu viert kann sechs Stunden in Anspruch nehmen.

Kingdom Come: Deliverance – The Board Game — Fakten

DesignerTomáš Holek, Vlaada Chvátil
VerlagCzech Games Edition (CGE)
LizenzWarhorse Studios
Spieler1–4
Alterab 14 Jahren
Spieldauer90 Minuten pro Spieler
Preis EU149,99 €
Preis US199,99 $
Vorbestellung1. Juli – 16. August 2026
Auslieferung EUOktober 2026 (Essen SPIEL)
Auslieferung USQ1 2027

Kein Crowdfunding: CGE setzt auf Direktvertrieb

Bemerkenswert ist auch der Vertriebsweg: Anders als die meisten Spiele dieser Größenordnung setzt CGE nicht auf Kickstarter oder Gamefound, sondern verkauft direkt über den eigenen Online-Shop. Das ist kein Zufall. Bereits 2022 hatte das tschechische Studio Boardcubator versucht, eine Kingdom Come-Brettspiel-Adaption per Crowdfunding zu finanzieren. Rund 360.000 Dollar kamen auf Gamefound zusammen — doch das Projekt wurde abgebrochen. Boardcubator begründete dies mit explodierenden Entwicklungskosten und der allgemeinen Unsicherheit in der Branche. CGE, mit seiner etablierten Infrastruktur und den finanziellen Reserven aus Blockbustern wie Codenames, geht bewusst den risikoärmeren Weg des Direktvertriebs.

„So it's both the amount of the tariffs and the greater risk involved in selling to the US.“ — CGE auf BoardGameGeek

Die größere Frage: Warum sind Brettspiele in den USA oft teurer?

Der Fall Kingdom Come ist kein Einzelfall, sondern illustriert ein strukturelles Problem der Brettspielbranche. Während europäische Käufer historisch oft über höhere Preise klagten — US-Spiele waren dank größerer Auflagen und effizienterer Vertriebswege häufig günstiger — hat sich das Blatt seit den US-Zollerhöhungen gewendet. Die 20-Prozent-Abgabe auf chinesische Importe trifft eine Industrie, die fast vollständig von chinesischer Produktion abhängt. Schätzungen zufolge werden über 90 Prozent aller Brettspiele in China gefertigt.

Hinzu kommt das US-Vertriebssystem: Während CGE in Europa direkt an Endkunden und Händler verkaufen kann, erfordert der US-Markt in der Regel die Einschältung von Distributoren, die ihrerseits etwa 60 Prozent Rabatt auf den empfohlenen Verkaufspreis erhalten. Jede zusätzliche Stufe in der Lieferkette erhöht den Endpreis — oder schmälert die Marge des Verlags. CGE hat sich entschieden, einen Teil dieser Kosten zu tragen: „We have slightly less profit on one copy in US than in EU.“

Für US-Kunden gibt es immerhin einen kleinen Trost: Wer direkt bei CGE vorbestellt, erhält exklusive Pre-Order-Inhalte, die nicht im regulären Handel erhältlich sein werden. Und die europäische Auslieferung beginnt bereits im Oktober 2026 zur Essen SPIEL, während US-Kunden sich bis zum ersten Quartal 2027 gedulden müssen.

Quellen
  1. Reddit r/boardgames — CGE explains the price disparity between European and US versions (448 Upvotes, 101 Kommentare, Juli 2026)
  2. BoardGameGeek — Why is there such a difference between the European price and the US price? (CGE-Kommentar mit Preisformel, Juli 2026)
  3. Czech Games Edition — Offizielle Kampagnenseite mit Preisen und Komponentenliste
  4. CGE Store — Produktseite mit Vorbestellungsdetails
  5. ICv2 — CGE Brings 'Kingdom Come: Deliverance' to the Tabletop (1. Juli 2026)
  6. Wargamer — An official Kingdom Come Deliverance board game is coming this year (Juli 2026)
  7. Gagadget — Kingdom Come: Deliverance is getting a $200 board game (1. Juli 2026)
  8. Clio's Board Games — Tariffs, Onshoring, and the Board Game Industry (Mai 2025)
  9. Bert's Board Games — The Impact of Tariffs on the Board Game Industry and the Math

Recherchestand: 2. Juli 2026