Es ist der 20. Juni 2026, und auf Platz 1 der BGG Hotness thront ein Spiel, das noch niemand wirklich bewerten kann. Entropy — BGG-ID 462941, angekündigt für Q3 2026 — führt die Liste der meistdiskutierten Brettspiele an, obwohl die Datenbank erst 80 Bewertungen verzeichnet. Zum Vergleich: Container (Platz 2) und Harmonies: Crescendo (Platz 3) liegen in einer ähnlichen frühen Phase — aber kein Spiel zieht derzeit so viel Aufmerksamkeit auf sich wie Entropy.
Der Grund für diesen Hype hat einen Namen: Simone Luciani. Der Italiener aus Fermo, der 2015 seinen Lehrerberuf an den Nagel hängte, um Vollzeit Spiele zu designen, ist einer der gefragtesten Autoren der Szene. Und bei Entropy tut er sich mit zwei Mitstreitern zusammen, mit denen er bereits Geschichte geschrieben hat.
In Entropy schlüpfen die Spieler in die Rolle von Wissenschaftlern einer hoch entwickelten Zivilisation. Es gilt die finale Prüfung zu bestehen: Neue Sonnensysteme erschaffen, Sterne zum Leben erwecken, Planeten formen und mit Leben besiedeln. Die thematische Klammer: Alles ist eine Simulation — Wissenschaft, nicht Magie. Und nur einer steigt in die Kaste der Auserwählten auf.
„For aeons, entropy was an inescapable force of nature. But then humanity evolved to understand it, harness it, and even bend it to their purpose."
Mechanisch setzt Entropy auf ein doppeltes orbitales Rondell: Die Spielfigur — ein Wissenschaftler — bewegt sich 1–3 Felder im Uhrzeigersinn über das Haupttableau. Dabei muss sie entweder auf einem inneren Aktionsfeld oder einem äußeren Aktionsplättchen landen. Creation Tokens, die auf dem Weg überholt werden, lösen Bonus-Effekte aus — ein typischer Luciani-Kniff, bei dem Timing und Vorausplanung belohnt werden.
Zur Auswahl stehen neun Aktionen: Sterne entwickeln, Planeten aggregieren, Leben erschaffen, Biome setzen, das eigene Konsolen-Tableau aufrüsten — und sogar Asteroiden einfangen. Das Spiel endet, sobald zwei von sechs Hauptzielen erreicht sind. Siegpunkte entscheiden.
| Designer | Simone Luciani, Tommaso Battista, Nestore Mangone |
| Verlag | Board&Dice (PL) + 7 Co-Publisher |
| Illustration | Piotr Orleański, Zbigniew Umgelter |
| Solo-Modus | Kacper Frydrykiewicz mit Dávid Turczi |
| Spieler | 1–4 |
| Alter | 14+ |
| Spieldauer | 90–120 Minuten |
| Mechaniken | Rondel, Engine-Building, Set Collection, Multi-Use Cards, Variable Player Powers |
| Kategorie | Science-Fiction, Economic |
| Release | Q3 2026 |
| BGG Hotness | #1 (Stand: 20. Juni 2026) |
| BGG Weight | 3,42 / 5 (vorläufig) |
Simone Luciani gehört zu jener Riege italienischer Autoren — neben Daniele Tascini, Virginio Gigli und Flaminia Brasini — die das moderne Eurogame der 2010er- und 2020er-Jahre maßgeblich geprägt haben. Sein Markenzeichen: komplexe, ineinandergreifende Systeme mit hohem Combo-Potenzial. Wer ein Luciani-Spiel auf den Tisch bringt, weiß: Es wird eng, es wird knifflig, und jede Entscheidung zählt.
Was auffällt: Luciani arbeitet fast nie allein. Seine Stärke liegt in der Co-Creation — und jeder seiner regelmäßigen Partner bringt eine eigene Handschrift ein. Tascini für tightes Ressourcen-Management, Gigli/Brasini für thematisch dichte Worker-Placements, Mangone für erzählerisch aufgeladene Systeme.
Bei Entropy kommen erstmals alle drei Schlüssel-Partner zusammen: Tommaso Battista (Co-Designer von Barrage), Nestore Mangone (Co-Designer von Newton, Darwin's Journey und Nucleum) und Simone Luciani. Das ist im Grunde die Wiedervereinigung der beiden erfolgreichsten Design-Partnerschaften Lucianis in einem einzigen Projekt.
Battista steht für taktische Präzision und interaktive Systeme — Barrage ist bis heute eines der konfrontativsten Euros überhaupt. Mangone bringt thematische Kohärenz und narrative Tiefe — bei Darwin's Journey fühlt sich jedes Upgrade wie ein evolutionärer Fortschritt an, nicht wie ein abstrakter Zahlenbonus. Luciani selbst liefert das Combo-Gerüst und die Engine-Building-Architektur. Die Frage ist nicht, ob Entropy gut wird — sondern wie gut.
Der polnische Verlag Board&Dice hat sich seit Teotihuacan: City of Gods (2018) als Spezialist für anspruchsvolle Strategiespiele mit hochwertiger Produktion etabliert. Barcelona, Nucleum, Tiletum und Tabannusi stehen alle in der Tradition komplexer, thematisch eigenständiger Euros. Mit Luciani verbindet den Verlag eine gewachsene Beziehung — Tiletum und Nucleum entstanden beide unter dem Board&Dice-Dach.
Die internationale Aufstellung ist beachtlich: Neben Board&Dice sind sieben Co-Publisher an Bord, darunter Cranio Creations (Italien), Delta Vision (Ungarn), Frosted Games (Deutschland) und Mosaico Jogos (Brasilien). Das spricht für groß angelegte Produktions- und Vertriebspläne.
Die BGG-Hotness misst nicht Qualität, sondern Aufmerksamkeit: Seitenaufrufe, Forenbeiträge, Wishlist-Einträge. Dass Entropy auf Platz 1 steht, bevor das Spiel überhaupt in den Händen von Rezensenten ist, sagt viel über die Erwartungshaltung der Community. Es ist der purer Hype vor dem ersten Würfelwurf.
Die frühen Bewertungen (7,76 bei 80 Usern) sind mit Vorsicht zu genießen — sie stammen überwiegend von Personen mit Prototyp- oder Preview-Zugang. Der Weight von 3,42 deutet ein gehobenes Kenner-Niveau an, bleibt aber unter Barrage (4,06) und Nucleum (4,18). Das Regelbuch ist bereits öffentlich, erste Solo-Testspiele laufen, und die illustrierte Welt von Piotr Orleański und Zbigniew Umgelter zeigt eine Mischung aus kosmischer Weite und mikroskopischer Detailverliebtheit: Zellstrukturen, Alien-Kreaturen, leuchtende Nebel — Science-Fantasy mit wissenschaftlichem Anstrich.
Entropy erscheint im dritten Quartal 2026 — wahrscheinlich rechtzeitig zur SPIEL Essen im Oktober, dem traditionellen Schaufenster für die großen Herbst-Releases. Mit 90–120 Minuten Spieldauer, einem vollwertigen Solo-Modus von Kacper Frydrykiewicz und Dávid Turczi (dem unbestrittenen Meister des Solo-Designs) und einer Engine-Building-Architektur, die Lucianis Handschrift trägt, positioniert sich Entropy als potenzieller Kennerspiel-des-Jahres-Kandidat 2027.
Die entscheidende Frage wird sein: Gelingt dem Trio der Spagat zwischen Zugänglichkeit und Tiefe? Barrage schreckte viele durch seine Kompromisslosigkeit ab, Nucleum durch schiere Regelkomplexität. Entropy mit Weight 3,4 könnte bewusst einen Mittelweg ansteuern — komplex genug für die Fans, zugänglich genug für eine breitere Basis.
Bis dahin bleibt nur eins: Wishlist-Klick auf BGG — und abwarten, ob der Hype hält, was er verspricht.
Recherchestand: 20. Juni 2026.