Bitewing Games · Mythos Collection · 2026

Moytura: Die Monster spielen mit — und können gewinnen

Moytura · David Thompson (I) & Trevor Benjamin · Bitewing Games · 1–2 Personen · ca. 45 Minuten · ab 12 Jahren · BGG: 8,1 (Rang 6.317, Gewicht 2,25)

Es gibt ein Problem mit Area-Control-Spielen: Sie funktionieren zu zweit nicht richtig. Die Dynamik aus Mehrheitsverhältnissen, Verdrängung und wechselnden Allianzen braucht mindestens drei Parteien — andernfalls wird jede Runde zum Nullsummen-Pingpong. Moytura, der neueste Streich aus der Mythos Collection von Bitewing Games, setzt genau hier an und fügt eine dritte Fraktion hinzu, die von niemandem kontrolliert wird — und trotzdem gewinnen kann.


Die Undaunted-Macher nehmen sich Irland vor

Die Design-Garanten David Thompson und Trevor Benjamin — bekannt für die gefeierte Undaunted-Reihe, War Chest und Mandala — haben sich für ihren neuesten Zweipersonen-Titel der irischen Mythologie zugewandt. In Moytura schlüpfen die Spielenden in die Rollen rivalisierender Anführer der Tuatha Dé Danann, jenes übernatürlichen Volkes aus den alten irischen Sagen, und kämpfen um die Vorherrschaft über die grüne Insel. Die Illustrationen stammen von Harry Conway (Iliad, Veiled Fate) und A. Giroux.

Das wäre ein klassisches Setting für ein Kopf-an-Kopf-Duell — wäre da nicht die dritte Kraft auf dem Spielplan: die verfluchten Fomorianischen Clans, monströse Gegner, die von einem Kartendeck gesteuert werden und sich Runde für Runde über die elf Regionen Irlands ausbreiten. Sie sind keine bloßen Hindernisse. Sie punkten. Sie bedrängen beide Spielenden gleichermaßen. Und sie können die Partie tatsächlich gewinnen.

„Diese Gegner belästigen nicht nur die Spielenden. Sie punkten. Sie können gewinnen. Das verändert die psychologische und taktische Landschaft des Spiels. Mal arbeitet man stillschweigend mit dem Gegenüber zusammen, um sie in Schach zu halten. Ein anderes Mal lässt man sie bewusst aufbranden, nur um die Ressourcen des Rivalen aufzuzehren."

David Thompson, Designer (Wargamer, Juni 2025)

Area Control mit Bot — so funktioniert es

Das Spiel erstreckt sich über zehn Runden, aufgeteilt in zwei Epochen zu je fünf Runden. Jede Runde besteht aus zwei Spielzügen (jeweils eine Person) und einem anschließenden Feindzug. In ihren Zügen wählen Spielende eine von fünf Gottheiten aus einer dynamischen Auslage — darunter Ériu (überspringt ein Feld), Boand (weite Bewegung entlang von Küsten und Seen) und Morrigan (greift benachbarte Monster an). Höhere Gottheiten kosten wertvolle Verehrungsmarken, niedrigere sind kostenlos. Die gewählte Gottheit wandert danach an die teuerste Position ganz oben — eine Art umgekehrte Auktion, die taktische Vorausplanung belohnt.

Dann breitet die gewählte Person ihre Einheiten auf dem Spielplan aus — je nach Gottheit und zuvor investierten Aufwertungen zwischen zwei und sechs Figuren stark. Direkte Konflikte zwischen den Spielenden sind nicht möglich: Man kann keine fremden Spielfelder betreten. Stattdessen kämpfen beide Seiten gegen die Monster. Kommt es zum Aufeinandertreffen, werden Figuren im Verhältnis 1:1 entfernt. Besiegte Feinde wandern in den Vorrat der aktiven Person und können später (drei Stück) gegen eine Verehrungsmarke eingetauscht werden.

Im Feindzug wird die oberste Karte des aktuellen Epochen-Decks aufgedeckt. Sie zeigt, welcher der drei monströsen Clans aktiv wird und wie viele Einheiten er ausschwärmt. Die Logik ist einfach — größte zusammenhängende Gruppe identifizieren, in benachbarte leere Felder expandieren — aber verheerend effektiv. Mit nur vier Karten pro Clan im Deck entsteht zudem ein Push-your-Luck-Element: Ist der gefürchtete Banshee-Schwarm schon durch oder lauert er noch im Stapel?

Fortgeschrittene Monster und die Mag-Mell-Erweiterung

Das Grundspiel enthält bereits fortgeschrittene Feindvarianten, die das Spielerlebnis erheblich variieren. Die Ellén Trechends (dreiköpfige Bestien) breiten sich nicht nur entlang von Wegen aus, sondern in jedes verfügbare Nachbarfeld. Die Oilliphéists (Seeungeheuer) nutzen Küstenlinien als Sprungbretter. Die Banshees tauchen an festgelegten Punkten auf und teilen sich Felder mit bereits vorhandenen Einheiten — Frontlinien werden bedeutungslos.

Die separat erhältliche Erweiterung Mag Mell (19 US-Dollar) legt noch eine Schippe drauf: Drei weitere Clans — Bánánach (Geister des Schlachtfelds), Balors Armee (König der Fomorianer) und Aos Sí (Bewohnende der Anderswelt) — bringen permanentes Spielmaterial auf den Plan, das über die Partie hinaus wirkt. Der neue Gott Lugh, Gott der Täuschung, erlaubt es, feindliche Einheiten umzupositionieren. Alles passt in die Grundspiel-Schachtel.

Die Kampagne

Die Kickstarter-Kampagne für Moytura und den Schwesterspiel-Titel Azure (ein Plättchenlegespiel zur chinesischen Mythologie mit den Vier Glücksbringenden Tieren) lief vom 23. September bis 16. Oktober 2025 und brachte 200.313 US-Dollar von 2.107 Unterstützenden ein — bei einem Ziel von 15.000 US-Dollar. Das entspricht einer Finanzierung von über 1.300 Prozent.

PlattformStartEndeZielErgebnisUnterstützende
Kickstarter23. Sep. 202516. Okt. 202515.000 $200.313 $2.107

Pledge-Stufen: Moytura allein kostet im Grundspiel 39 US-Dollar. Die Erweiterung Mag Mell liegt bei 19 US-Dollar, ein Satz Deluxe-Pokerchips (212 gewichtete Chips, die alle Pappmarker ersetzen) bei 28 US-Dollar. Das Komplettpaket aus Grundspiel, Erweiterung und Pokerchips liegt bei 67 US-Dollar. Versandkosten und mögliche Einfuhrumsatzsteuer (19 % in Deutschland, zuzüglich Zoll bei Warenwert über 150 Euro) sind in diesen Preisen nicht enthalten.

Was die Kritik sagt

Die Rezensionen zu Moytura zeichnen das Bild eines Spiels, das bewundert wird — wenngleich nicht von jedem geliebt. Dan Thurot von Space-Biff! findet klare Worte: „Moytura fühlt sich großartig an. Es könnte der stärkste Anwärter in der gesamten Mythos Collection sein." Er lobt besonders die indirekte Konfrontation, bei der das Monster-Management spannender ist als der direkte Zweikampf: „Die Monster sind tödlich und stimmungsvoll, jeder Zusammenstoß ist klein, aber wirkungsvoll, und jede Ecke des Spielplans brodelt vor Gefahr und Potenzial."

„Wir beobachten, wie die Neudefinition von Zwei-Personen-Spielen direkt vor unseren Augen stattfindet. Ein Area-Majority-Spiel mit semi-kooperativen Elementen, innovativer Aktionsauswahl und verschiedenen Gegnern mit jeweils eigenen Spieltwists? Und das für zwei Personen? Und in unter einer Stunde?"

Jack, Hollandice (zitiert auf Allplay.com)

Andrew Lynch von Meeple Mountain (Wertung: 4,5 von 5) sieht das differenzierter: „Ich bewundere Moytura mehr, als dass ich es persönlich genieße." Er kritisiert den hohen Anteil an Bot-Management, das dem Spiel zuweilen die direkte Interaktion zwischen den Spielenden raubt: „Das Problem ist, dass man sich die meiste Zeit um die Bots kümmern muss und nicht um die andere Person." Gleichzeitig würdigt er das Spiel als „Riss in der Mauer der Area-Control-Spiele" — einen Design-Durchbruch, der eine völlig neue Richtung für das Genre aufzeigt.

Das Gaming-Bits-Blog vergibt 9 von 10 Punkten und hebt die thematische Dichte hervor: „Jedes Mal, wenn man eine Feindkarte aufdeckt, spürt man förmlich die Macht dieser Kreaturen, die aus der Dunkelheit auf das Schlachtfeld treten." Auch die Komponenten — doppellagige Gottheitentableaus, Leinen-finish-Karten, bedruckte Holzmarker — erhalten Bestnoten (9/10). Der Dice Tower verlieh dem Spiel sein begehrtes „Seal of Approval".

Solo- und Koop-Modus inklusive

Ein oft übersehenes Detail: Moytura enthält ab Werk einen Solo- und einen kooperativen Modus, die auf der Rückseite des Regelhefts erklärt werden. Da die gegnerische KI ohnehin als dritte Fraktion im Spiel ist, muss für den Solo-Modus lediglich die eigene Punktezahl gegen die der Monster antreten. Im Koop-Modus steuern beide Personen gemeinsam die Tuatha Dé Danann und versuchen, die Fomorianischen Horden zurückzudrängen — eine willkommene Abwechslung für alle, die nach dem kompetitiven Duell eine kooperative Runde einlegen möchten.

Wo Moytura im Mythos-Pantheon steht

Moytura ist der vierte Titel der Mythos Collection von Bitewing Games, einer Reihe von Zwei-Personen-Strategiespielen, die Mythen und Götterwelten verschiedener Kulturen erkunden. Die vorangegangenen Titel — Iliad (griechische Mythologie), Ichor (griechisch) und Azure (chinesische Mythologie) — haben das Label als Hort kompakter, eleganter Duellspiele etabliert. Moytura ist das bisher komplexeste Spiel der Reihe (BGG-Gewicht 2,25), ohne dabei die Zugänglichkeit einzubüßen.

Die Kerninnovation — eine dritte KI-Fraktion, die beide Seiten gleichermaßen bedroht und unabhängig punktet — könnte Signalwirkung für das gesamte Genre haben. Sie löst das alte Problem des Zwei-Personen-Area-Control auf eine Weise, die kein abstrakter Kniff, sondern ein voll integrierter Teil des Spielerlebnisses ist. In der Brettspiel-Community auf BoardGameGeek (BGG) hat das Spiel nach 189 Bewertungen einen soliden Durchschnitt von 8,1 erreicht — für einen Titel, der erst 2026 erschienen ist, ein starkes Signal.

Quellen
  1. Moytura auf BoardGameGeek — Spielseite mit Ratings, Foren, Bildern
  2. Wargamer: „Undaunted creators' new board game is a strategy battle infused with Irish myths" (Matt Bassil, Juni 2025)
  3. Allplay.com — Offizielle Produktseite mit Preisen, Komponenten, Zitaten
  4. Space-Biff!: „Real Moytura, Guys" (Dan Thurot, 24. September 2025)
  5. Meeple Mountain: „Moytura Game Review — The Fightin' Irish" (Andrew Lynch, 27. September 2025)
  6. Gaming Bits: „Moytura Review" (24. April 2026)
  7. Expand Your Game: „Moytura Review" (Mai 2026)
  8. The Dice Tower: „Moytura Review: Fighting Irish" (Mike DiLisio & Chris Yi)
  9. Kickstarter-Kampagne: Azure and Moytura | 2-Player Strategy & Mythology Games (2.107 Unterstützende, 200.313 $)
  10. Bitewing Games — Offizielle Verlagswebsite

Recherchestand: 23. Juni 2026. Basis: BGG (Spielseite, Ratings), Wargamer, Allplay, Space-Biff!, Meeple Mountain, Gaming Bits, Expand Your Game, Dice Tower, Kickstarter, Bitewing Games.